Zum Dessert. Lateinische Leckereien

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An dieser Stelle präsentiere ich Ihnen in lockerer Folge meine lateinischen Lieblingsgedichte.
Die Rechte an den Übersetzungen liegen, wenn nicht anders angegeben, bei mir.

Von Horatius Flaccus stammt dies Lied an seine trotz ihrer Klugheit horoskopgläubige Freundin:

Carmen X

tu ne quæsieris – scire nefas -, quem mihi, quem tibi
finem di dederint, Leuconoë, nec Babylonios
temptaris numeros! Ut melius, quidquid erit, pati,
seu pluris hiemes seu tribuit Iuppiter ultimam,
quæ nunc oppositis debilitat pumicibus mare
Tyrrhenum: sapias ! vina liques et spatio brevi
spem longam reseces! Dum loquimur, fugerit invida
ætas: carpe diem, quam minimum credula postero!

Frag nicht, Leukonoë – Wissen ist Frevel -,
was für ein Ende mir oder dir
zugedacht haben die Götter; versuche
auch Babyloniens Sternkunde nicht.
Ist es doch besser, was kommt, zu ertragen,
ob es noch viele Winter sind, ob
Jupiter uns diesen letzten gewähre,
der an dem widerständgen Geklüft
schon bricht die Kraft des Thyrrenischen Meeres.
Weise sei! Klär den Wein und bemiß
auf eine kürzere Spanne die lange
Hoffnung! Es flieht die neidische Zeit,
während wir sprechen: Pflücke den Tag,
traue so wenig als möglich dem Morgen!